Felix Schiffarths irre Karriere: „Das Kloster hat mich gerettet“

München – Es kommt nicht selten vor, dass die bösen Jungs aus dem Octagon auch im Privatleben gerne mal über die Stränge schlagen. Etwas schwierig sind, es faustdick hinter den Ohren haben. Oft ist es der Kampfsport, der sie von der Straße wegholt, von den Problemen, von der schiefen Bahn.So war es auch bei Felix Schiffarth.

„Zwischen 14 und 18 habe ich viel Scheiße gebaut, war auf dem falschen Weg“, sagte er im Interview mit ranFIGHTING.de. Der falsche Weg waren vor allem Partys, Drogen, das falsche Umfeld. „Ich habe Sachen gemacht, die ich nicht hätte machen sollen“, gibt er zu. Den Absprung beginnt er im Alter von 17 Jahren, als er anfing, bei MMA-Pionier Nordin Asrih zu trainieren.

Jackie Chan bestimmt den Lebensweg

Asrih nimmt ihn unter seine Fittiche und streng genommen, bestimmt Jackie Chan den weiteren Lebensweg. Denn seine Eltern wollten ihn aus dem Umfeld holen, für eine gewisse Zeit ins Ausland schicken. „Als kleiner Junge habe ich immer Jackie Chan geschaut. Wir haben uns dann dazu entschieden, dass ich nach China gehe“, verrät er.

Ins Shaolin-Kloster.

GMC 18: Titelduell der Top-Talente

Ömer Solmaz und Felix Schiffarth kämpfen bei GMC 18 in Hamburg um den Federgewichts-Titel.

Bedeutet: Kein Handy. Kein Internet. Fisch, Gemüse, Reis, kein Fleisch. Der Tag startet um 5:30 Uhr, mit Meditation. Für den hibbeligen Schiffarth bereits eine echte Herausforderung.

Drei Trainingseinheiten absolviert er am Tag, fünf Tage die Woche. Anfangs hat er sich den strengen Regeln im Kloster noch widersetzt, büxte mit einem mexikanischen Kloster-Kollegen aus, um in einem drei Stunden entfernten Ort Party zu machen.

Zehn Stockschläge auf den nackten Hintern

Der Lohn: Zehn Stockschläge auf den nackten Hintern. „Da habe ich realisiert: Ich muss wirklich aufpassen, was ich hier mache.“ Er durfte das Kloster sowieso nur am Wochenende verlassen und auch nur dann, wenn er das Training diszipliniert durchgezogen hatte und die Erlaubnis von seinem Meister erhielt.

Trotz allem: Aus geplanten drei Monaten wurden eineinhalb Jahre. „Das war die beste Zeit meines Lebens. Ohne Handy, ohne Internet. Ich habe Briefe geschrieben. Man konnte sich sorgenfrei nur auf das Training konzentrieren. Der ganze Lebensstil war komplett anders“, sagt er.

Von 25 Leuten waren nur drei Ausländer. Und da ging es im Training härter zur Sache. Auch, weil die Chinesen es den Gästen aus dem Ausland gerne mal zeigen wollten. Schiffarth beißt sich durch: „Am Ende habe ich mich wie ein Familienmitglied gefühlt.“ Ein bisschen Chinesisch spricht er inzwischen auch.

Das Ende ist seine eigene Entscheidung. Er hätte nach den eineinhalb Jahren wählen müssen: Weiter dort bleiben, die Sprache komplett lernen und sich in China eine Existenz aufbauen – oder die Rückkehr. Er entschied sich für die Rückkehr, ging dann nochmal für sechs Monate nach Thailand, ehe er sich wieder in Deutschland einrichtete. „Ich bin ein Familienmensch, mein Team hat mir auch gefehlt. Geld kostet das alles natürlich auch.“ Finanziert hat er sich das Shaolin-Abenteuer, indem er chinesischen Kinder in Englisch unterrichtete.

Er sagt über das ungewöhnliche Abenteuer, das ihn auf den richtigen Weg gebracht hat: „Das Kloster hat mich gerettet. Nordin hätte mich zwar irgendwann zurechtgeprügelt. Es wäre aber hier alles deutlich schwerer gewesen und hätte deutlich länger gedauert.“

BMW-Studium und Feuerwehrmann

Der Düsseldorfer hat in Deutschland ein BWL-Studium begonnen, bewirbt sich gleichzeitig auch bei der Feuerwehr. Daneben verfolgt der 25-Jährige als „The German Shaolin“ seine professionelle MMA-Karriere, die vor etwas mehr als einem Jahr startete. Er steht bei fünf Siegen in fünf Kämpfen, trainiert zweimal am Tag, fünfmal die Woche.

Zuletzt hatte er noch einmal sein Kloster besucht, das inzwischen, verglichen mit seiner Zeit, ein Hotel ist. Sogar Internet gibt es auf den Zimmern. Schiffarth: „Mein Meister ist Kickbox-Champion in der Provinz Shandong, er total stolz auf mich. Die Verbindung mit einem Meister besteht fürs Leben. Er verfolgt meine Kämpfe und ist im Herzen immer bei mir.“

Wie auch am 2. Februar 2019 bei GMC 18 (live auf ranFIGHTING.de). Denn dann folgt der erste Höhepunkt seiner noch jungen Karriere, gegen Ömer Solmaz kämpft Schiffarth um den Federgewichts-Titel.

Dann ist aus der schiefen Bahn endgültig der Erfolgsweg geworden.

 

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