GMC16: Interview mit Stephan Pütz

German MMA Championship GMC 16:

Titelkampf im Halbschwergewicht:

STEPHAN PÜTZ vs. JAN GOTTVALD

Samstag, 01. September 2018, Lanxess Arena Köln

 

Am 01. September kommt es bei GMC im Hauptkampf des Abends zur Auseinandersetzyung von Stephan „T 800“ Pütz und dem aktuellen GMC Champion im Halbschwergewicht Jan Gottvald, der seinen Titel zum ersten Mal verteidigen will.

Stephan Pütz ist dreifacher Champion der russischen Organisation M1, wo er auch seine letzten neun Kämpfe bestritten. Bei GMC kämpft er zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder in Deutschland. Sein Gegner ist der Tscheche Jan Gottvald, der den Titel im Juni dieses Jahres in einem dominanten Duell gegen Marco Knöbel gewonnen hat.

Stephan, du warst lange nicht mehr in Deutschland zu sehen. Was bedeutet es dir, wieder hier zu kämpfen?

Stephan Pütz: Ich hab jetzt fünf Jahre in Russland gekämpft und bin schon sehr froh, mal wieder in Deutschland zu kämpfen. Ich kämpfe immer gerne in Deutschland, allein schon wegen der deutschen Fans.

Was ist der Unterschied zwischen deutschem und russischem Publikum?

In Russland ist MMA erheblich größer und der Sport ist viel bekannter. Dort sind quer durch die ganze Gesellschaft alle Menschen Kampfsportfans. Das Publikum ist auch wirklich sehr fachkundig. Ist es in Deutschland auch, aber die Russen haben noch mehr Ahnung von dem Sport und der Technik, die applaudieren zum Beispiel auch bei Positionswechseln. Das macht wirklich Spaß.

Wie siehst du die Entwicklung in Deutschland? Brauchen wir auch eine Merkel, die wie Putin zu den Kämpfern ins Octagon kommt?

Das wäre natürlich optimal, wenn Politiker diesen Sport unterstützen und ihn mehr anerkennen, sodass er eine größere Bühne hat und publiker wird – das wäre ein großer Schritt. Und natürlich brauchen wir das Fernsehen. Wenn MMA im Free-TV ausgestrahlt wird, werden ganz andere Massen erreicht. Ganz so, wie es jetzt bei GMC passiert.

Nach deinen erfolgreichen Titelverteidigungen bei M-1 bist du mit zwei Niederlagen jetzt in einem kleinen Tal. Bist Du jetzt hungriger denn je?

Ich bin jetzt extrem hungrig. Nach einer Niederlage, insbesondere, wenn du nicht zeigen konntest, worauf du trainiert hast, trägst du eine gute Wut auf dich selbst mit dir herum. Diesen Zustand möchtest du auf jeden Fall ändern. Die einzige Möglichkeit ist, das im nächsten Kampf unter Beweis zu stellen und zu zeigen, dass du noch aus dem gleichen Holz geschnitzt bist wie früher. Ich war nie hungriger, nie aggressiver und fokussierter als jetzt.

Hast Du in Deiner Vorbereitung etwas geändert?

Ich bereite mich wie immer im MMA Spirit vor, denn keiner kennt mich besser als meine Trainer, Coaches und Partner. Wir versuchen natürlich, mein Game auf das nächste Level zu heben und es zu perfektionieren. Ich habe diesmal wieder einen Fünf-Runden-Kampf, das spielt mir in die Hände. Da kann ich nach hinten raus einen ganz anderen Druck aufbauen und meine Gegner in dieses Cardio-Loch bringen als im Drei-Runden-Kampf. Wobei mein Gegner wohl keine Schwäche bei der Kondition hat.

Dein Gegner Jan Gottvald hat gerade einen Durchmarsch und bei GMC 15 den Titel gegen Marco Knöbel gewonnen. Wie schätzt du ihn ein?

Jan Gottvald hat Spaß am Kämpfen, das sieht man, so wie ich auch. Ich denke, dass es ein cooles Matchup ist. Er macht auch gerne Druck, im Kampf sah es auch aus, als hätte er auf jede Aktion von Marco Knöbel eine Antwort. Das hat mir gut gefallen, ich freue mich sehr auf den Kampf.

Was ist Deine Kampfprognose?

Meine Kampfprognose: Sieg für mich. Wie das genau ausgehen wird, weiß ich noch nicht. Bei Marco wurde viel gescrambelt in der ersten Runde, das war schon ein hohes Tempo, aber ist ja auch mein Stil: Leute zu werfen, eventuell wieder aufstehen zu lassen, wieder zu werfen. Oder wenn ich sie nicht werfen kann, dann will ich sie kontrollieren, müde machen, schwer auf ihnen liegen und das Ganze mit Schlägen garnieren. Rein, raus, keinen Platz lassen.

Du lässt dir ja gerne mal eine kleine Provokation einfallen für die Waage, mal trinkst du Benzin, mal verschenkst du Maschinenöl. Ist diesmal auch etwas geplant?

Das kann ich euch leider jetzt noch nicht sagen.

Bleibst du erst mal bei GMC oder geht’s danach direkt wieder zurück zu M-1?

Ich habe für drei Kämpfe unterschrieben, aber ich möchte natürlich in naher Zukunft wieder bei M-1 kämpfen. Aber jetzt freue ich mich erst mal, wieder in Deutschland kämpfen zu können. Dazu kommt, dass der GMC-Gürtel der einzige deutsche Gürtel ist, den ich noch nicht habe. Ich gebe nicht viel auf Gürtel, weil es ja auch mittlerweile relativ viele gibt, aber dieser fehlt mir noch in meiner Sammlung.

Ist die UFC ein Thema für dich?

Grundsätzlich bin ich für alles offen. Ich liebe Herausforderungen, ich würde auch in der UFC kämpfen, aber ich habe keinen Favoriten, wo ich am liebsten kämpfe.

Wie kommt es, dass du so eine Anbindung zu Russland hast und dich dort so wohl fühlst?

Ich bin als Junge im Allgäu viel mit Russen aufgewachsen. Im Allgäu gibt’s ganze Russensiedlungen und ich hatte auch schon in der Schule viele russische Freunde, so wie jetzt auch. Ich mag einfach die Mentalität. Ich bin ein Sympathisant des russischen Volkes.

Wie kam es eigentlich zu Deinem Namen „T-800“?

Ich bin ein sehr großer Fan von Arnold Schwarzenegger. Was er geschafft hat in seinem Leben – von seiner Karriere als Bodybuilder, als Schauspieler, als Gouverneur – zeigt: Egal wo du herkommst, welchen Background du hast, wenn du die richtige Vorstellungskraft, das Ziel und den Ehrgeiz hast, kannst du alles erreichen. Mir haben als Kind schon immer die Terminator-Filme sehr gefallen. Mein Stil spielt dem Ganzen auch in die Hände, daher habe ich mich dazu entschieden, dass ich der T-800 bin.

Du hast dein ganzes Leben Sport gemacht. Hast du schon Ideen dafür, was du nach Deiner Karriere machst, damit du nicht in ein Loch fällst?

Grundsätzlich werde ich immer im Sportbereich arbeiten. Ich arbeite viel mit Ernährung, ich mache Leistungsdiagnostiken, ich erstelle Ernährungspläne, vorzugsweise für CrossFit- und Triathleten. Mir macht es auch sehr viel Spaß, Hobby- und andere Sportler zu trainieren. Mich freut es immer, Verbesserungen zu sehen und wie sich ihre Fähigkeiten weiterentwickeln. Heute wird alles an Erfolg und Geld gemessen und die Leute verlieren ihr eigenes Wohl aus den Augen. Die sind gestresst von der Gesellschaft und dem Leistungsdruck. Da kann Sport ein super Ventil sein. Und Menschen, die keine Zeit für Sport haben, für die ist Ernährung das Ventil. Die merken, ich habe ein besseres Energielevel, ich schlafe besser, ich fühle mich besser, ich bin ausgeglichener, belastbarer. Das macht einfach Spaß, das weiterzugeben. In der Richtung werde ich weitermachen. Auch mit dem mentalen Aspekt beschäftige ich mich viel, das finde ich faszinierend, was deine Willens- und Vorstellungskraft hervorbringen kann. Aber noch ist es nicht so weit, dass ich mit dem Sport aufhören muss, das wird noch lange dauern. Ich fürchte aber, es wird sehr langweilig, wenn ich nicht mehr kämpfe.

An dem Abend findet ja der erste Promi-MMA-Kampf statt. Was hältst Du davon? Spektakel oder notwendige Show, um den Sport populärer zu machen?

Ein MMA-Kampf ist schon eine Extremsituation, vor allem, wenn du es noch nie getan hast. Einerseits ist es cool, weil viele neue Leute den Sport sehen. Wenn Promis, die es eigentlich nicht nötig haben, sich einer unbekannten Herausforderung stellen, dann ist das ein gutes Beispiel für Menschen, die das dann vielleicht auch mal probieren wollen. Andererseits ist das technische Level natürlich nicht so toll wie bei zwei Profis mit viel Erfahrung, das ist klar. Es generiert aber viele neue Zuschauer und das Matchup an sich ist auf jeden Fall interessant.

Was ist Dein größter Traum – sportlich und abseits davon?

Ich würde gerne alle Niederlagen, gegen alle Leute, gegen die ich verloren habe, noch einmal kämpfen und gewinnen, sodass ich meine Bilanz bereinige. Mein Ziel ist es einfach, dass ich meinen Lifestyle leben kann und ich möchte der bestmögliche Athlet sein, der ich sein kann. Ich arbeite sehr hart dafür. Manche würden sich gerne einen Ferrari kaufen, aber bei mir geht es mehr darum, dass ich mich glücklich fühle und ein erfülltes Leben haben. Ich stelle mein seelisches und körperliches Wohl immer an erster Stelle. Materielle Dinge stehen da nicht so im Vordergrund, obwohl eines Tages ein Häuschen im Grünen schon schön wäre.

Was sind Deine nächsten Ziele nach dem 1. September?

Ich möchte den Kampf natürlich dominant gewinnen und den Zuschauern eine unterhaltsame Performance bieten. Und dann möchte ich so schnell wie möglich wieder kämpfen (lacht).

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